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Montag, 14. Mai 2018

Der Mensch lebt nicht vom Brot allein...


Und wie stand es eigentlich mit der geistigen Nahrung?
Hervorragend.
Denn genau hierauf legten die, ach so bösen Nazis,  einen grossen Wert.
Ich z.B., hatte in der Schule ein Theaterabonnement.
Kosten? Nicht der Rede wert.
Jeden Monat  einmal in den Admiralspalast, ins Schiffsbauerdammtheater oder in die Oper.
Mein erster Theaterbesuch war eine  Operette:
 „Der Vetter aus Dingsda“ von Eduard Künneke. 
Heute völlig unbekannt. 
Ich glaube sogar auch sogar Operetten im allgemeinen.
Ich war damals etwa 12 Jahre alt. 
Einmal im Monat machte ich mich fein und marschierte, stolz wie Oskar, ins Theater.
Allein!

An Sonntagen, an denen ich nichts anderes vorhatte, besuchte ich die unzähligen Museen in Berlin.
Alles was man sich denken konnte gab es.
Vom Zeughaus bis zum Pergamonmuseum. 
Alle waren meine.

Oder das Jungvolk vermittelte mir Eintritt zu interessanten Vorträgen, Ausstellungen, Veranstaltungen,  usw.
Klettern lernen im Elbsandsteingebirge, Dienst bei der Feuerwehr, Motorrad fahren, Segelfliegen, Reiten, Wochenendlager, usw.
Alles war immer kostenlos.
Man musste nur wollen, und es wurde alles möglich gemacht.

Auch die Musik wollen wir nicht vergessen..
Es gab damals noch Schellackplatten und ein Grammophon mit Kurbel.  
Die Sänger/rinnen damals konnten auch noch singen.
Nicht wie heute, wo man nur gut schreien können oder heiser sein muss.

Es gab unzählige Kabaretts, Nachtlokale, Varitees, Bars und dergleichen.
"Cafe Vaterland", der "Wintergarten" waren weltberühmt.
Diese Stadt lebte.

Am Alexanderplatz tummelten sich andere Menschen rum.
Dort war auch das Eldorado der Damen die einen Freier suchten.
Besonders die Restaurants:  „1000 Millimeter unter dem Meeresspiegel“ und im „Krug zum grünen Kranze“
Knackend voll.
Was mich betrifft, man musste ja als angehender Mann schließlich wissen wo man was fand wenn man mal was suchte.

Wie schon einmal gesagt, eine Sperrstunde gab es nicht.
Anfang des Krieges wurde dann ein Verbot des öffentlichen Tanzes ausgeschrieben.
Tanzen fand nur noch in geschlossenen Veranstaltungen statt.
Man hatte aber auch keine Lust mehr an derlei Vergnügungen.
Draussen, an der Front starben die Menschen, da wollte man nicht in der Heimat die Sau rauslassen.
Es war eine grosse Verbundenheit zwischen Front und Heimat. Nicht nur, weil bald jeder jemanden als Soldat in der Familie hatte, nein, weil diese Menschen das verteidigten was man uns nehmen wollte.
Jugendliche, auch ich, schrieben Briefe an „unbekannte Soldaten“.
Meist wurden die auch beantwortet.
Manchmal ergab sich auch mehr.
Man heiratete. Die  Braut in der Heimat. Der Bräutigam an der Front. Ferntrauung war die Bezeichnung dafür.

Das Radio, langsam gab es genug Geräte, stellte immer wieder  Schaltungen her, in denen beide Seiten sich austauschten.
Der ganze Zusammenhalt untereinander und das gemeinsame Ziel war etwas, was heutzutage unmöglich ist.
Für heutige Menschen noch nicht einmal in der Vorstellung und im Verständnis.

Als z.B. November 1943 der Wedding das Ziel von Terrorangriffen war und die halbe Stadt brannte, kam, wie immer, Herrmann Göring als erster angerauscht.
Politiker früher brauchten keine Schutztruppe oder Bewacher.
Die Regierungsmitglieder hielten auch im offenen Wagen an der Strassenkreuzung an und warteten, wie alle anderen auch, auf die Vorfahrt.
Wie oft habe ich Herrmann Göring die Hand gegeben? 

Doch zurück zum Wedding.
Viele hatten aus den brennenden Häusern eine Kleinigkeit retten können.
Diese standen nun, in der Nacht, damit auf den Strassen rum
Die erste Anordnung von ihm war:
Von der Dankeskirche  die Türen auf machen und erst einmal alle geretteten Dinge  dort in der Kirche deponieren.
ALLE Menschen packten mit an. 
Hunderte verstauten die Habseligkeiten der ausgebombten  im Kirchenraum  und auf den oberen Balkonen. 
Die Frage, wie und wo finde ich mein Eigentum später mal wieder, tauchte nicht auf.
Da gab es keine Gaffer oder Klauer.
Die Kirche war voll und wurde nicht abgeschlossen.
Leider wurde sie dann zwei Tage später auch von Bomben getroffen und brannte, einschliesslich des Inhalts, bis auf die Grundmauern nieder.

Ohne grosses Tamtam wurde geholfen.
Immer, von jedem, allen, in jeder Situation.

Allein diese „Volksgemeinschaft“ ist etwas was ich heute so vermisse.

1936 wurde in Berlin die Olymplade ausgerichtet.
Das war drei Jahre !!!! nach der Machtergreifung.
1933 war noch alles im Chaos.
Nun aber, war alles paletti. 
Die Welt kam zu uns.
Nur, wo sollten die fremden Menschen schlafen?
Ein Aufruf an alle Berliner: 
„Wer kann jemanden für diese Zeit aufnehmen?“
Es wurden drei mal so viele Wohnungen, Zimmer und Betten angeboten als Gäste kamen.

Ich selbst habe die Olympiade jeden Tag im Fernseher mir angeschaut.
Der war von der Reichspost aufgebaut und frei für jedermann.

Allein, wenn ich sehe, WAS alles, in welcher Zeit geleistet wurde, bin ich stolz darauf zu dieser damaligen Generation zu gehören.

Heute lese ich täglich von Verbrechen, Hilflosigkeit, Rücksichtslosigkeit.
Alles wird versprochen nichts wird gehalten.
Sozial ist jedes zweite Wort, nur ich merke nichts davon.
Parteien haben heute Ausdrücke in ihrem Namen die mit ihren Taten nicht vereinbar sind.
Das "C" steht für Christlich???
Dabei könnte ich kotzen.

Zu meiner Zeit gab es die NSDAP
National.........
Sozialistische........ 
Deutsche.......
Arbeiter...........
Partei,
Und diesem Anspruch wurde sie bei jedem Wort voll gerecht.

Es war MEINE Zeit.
Und ich stehe dazu.
Sie hatte auch viele negative Aspekte und Schattenseiten.
Genau wie heute auch.
Für das damalige  sind WIR ganz allein verantwortlich.
Dafür haben die Nazis aber auch Deutschland wieder nach dem Krieg aufgebaut.
Bis zum Bundespräsidenten waren es immer wieder alte  Nazis.
Auch alle grossen Firmen die heute den Ton angeben, waren damals schon Nutzniesser des so verpönten Naziregimes.

Geld stinkt wirklich nicht, denn sonst wäre ganz Deutschland eine riesige, stinkende Kloake.

All das was heute aber geschieht ist EURE Sache,
Ich habe damit nichts mehr zu tun.
Aber, auch IHR müsst dafür die alleinige Verantwortung eines Tages tragen.

Ich wünsche Euch viel Spass dabei.
:-))))))))))))))




Sonntag, 13. Mai 2018

Freizeit


Geburtstag war gestern, heute wieder zurück in die Vergangenheit. 

Und was war damals in der Freizeit?
Ich meine bei den Erwachsenen.
Kinder haben immer etwas zu tun und zu erledigen. Wenigstens in meiner Jugend.
Auch ohne techn. Mist und Animation.
Zu der Zeit sprach man noch miteinander.

Schule war 6 Tage in der Woche.
In der Klasse waren wir 54 Schüler.
Ohne Mami Taxi.
Immer von 8 Uhr bis 14 Uhr. 
Nach Hause rennen, essen, Schularbeiten machen und dann aber raus, auf die Strasse.
Termin fürs nach Hause kommen war: 
„Wenn die Strassenlaternen angingen“

Berliner Strassen sind alle sehr breit angelegt. 
Die meisten haben Bäume. Viele einen Mittelstreifen. 
Das stammt noch aus der Kaiserzeit so. 
Heute weiss ich es nicht mehr. Das Stadtbild hat sich nach dem Wiederaufbau  stark verändert.

Viele Berliner hatten damals einen Schrebergarten.
Man nannte sie „Laubenpieper“
Es ging der Spruch rum. 
„Wer Gott vertraut und Bretter klaut, der hat ne billige Laube“
Diese Lauben, oder Holzhütten, standen auf Parzellen. 
Diese waren bei uns z.B. in der Nähe des Strassenbahnhofes in Reinickendorf-Wedding.
Eine grosse freie Fläche war dort verpachtet. Jeder baute sich seine Laube und pflanzte sich sein Gemüse selber an.   
Immerhin war diese eine Laubenkolonie mehrere Kilometer lang und auch breit. Tausende von Menschen waren und lebten dort. Viele die nicht ihre Miete zahlen konnten oder keine Wohnung fanden, lebten dort auf immer. 
Auch viele Juden hatten dort ihr Domizil in der irrigen Hoffnung dort unentdeckt zu bleiben. 
Toilette war ein Holzhäuschen wo in der Tür ein Herzchen ausgesägt war. 
Was dann da unter dem Brett mit dem Loch war, bildete den Dünger.
Wasser gab es aus einer Handpumpe.
Ein Ofen und Herd war das ganze Glück.
Da man nicht an Bakterien und son Mist dachte und auch nicht kannte, wurde auch niemand krank.
Natürlich fand sich im Sommer, vor allem am Wochenende, auch die ganze bucklige Verwandtschaft ein um zu ernten. 

Die Grenzen der Grundstücke waren immer Johannisbeer- und Stachelbeersträucher. 
Man musste nur zugreifen.
Spritzmittel und so neumodisches Zeug gab es auch noch nicht.
Tomaten und Kürbisse wuchsen besonders gut, wenn die Jauchegrube als Dünger diente.
Bio eben in Vollendung.

Wenn Arbeit an lag, fand die Verwandtschaft den Weg nicht.
Es war für uns Kinder immer ein Paradies, ein riesengrosser Abenteuerspielplatz. 
Dort wurden dann Hütten gebaut.
Indianer gespielt.
Autos gab es ja keine.
Siedlerfeste und Erntedank waren Höhepunkte.
Es gab Fliegerbier für die Kinder (so eine Art Limonade. Nicht süss und sah wie echtes Bier aus.) 
Die Erwachsenen tranken richtiges Bier und die Frauen Bowle.
Dazu, Grillen war unbekannt, eine deftige Wurst und eine Schrippe auf die Hand.
Kaffee und selbst gebackener Kuchen.
Das Leben war einfach nur schön.
Arm und trotzdem glücklich?
Geht das überhaupt?
OH JA!

Dann kam der Krieg und vor allem die Nachkriegszeit.
Es wurde gestohlen und eingebrochen.
Man richtete Wachmannschaften ein. 
Immer reihum. Jeder kam mal dran.
Letztendlich war Hunger an der Tagesordnung und da standen ja nun die Gartenfrüchte zum mit nehmen frei rum. 

Wie so vieles, auch diese Idylle zerbrach nach dem Krieg.

Man ging auch nicht immer am Wochenende zu den Laubenpiepern.
So wie die Bayern ihre Biergärten haben, gab es in Berlin eine Unmenge von Ausflugslokalen.
Sie waren alle per Fuss zu erreichen.
Grosse Gärten mit hohen schattigen Bäumen.
Tische mit Stühle darinnen.
Immer so für 200 und auch mehr Personen.
Dort konnte man Kaffee und Kuchen kaufen und verzehren.
Dafür war aber meist kein Geld vorhanden.
Die damaligen Gastwirte waren aber clever.
An den Gärten hingen draussen grosse Schilder auf:
Der alte Brauch wird nicht gebrochen, hier können Familien Kaffee kochen“
?????????
Es stand immer in jedem  Garten ein grosser Kessel mit kochendem Wasser bereit. 
Die Familien brachten ihren Kaffee und eigenen Kuchen mit.
Das Geschirr wurde gemietet. Dafür bezahlte man 50 Pfennige. (oder etwas mehr) Das heisse Wasser wurde auf den Kaffee geschüttet, der Kuchen ausgepackt.
Wer Bier trinken wollte, holte sich eine Flasche an der Theke.
DAS war aber äusserst selten. 
Beide Seiten machten so ihr Geschäft.
Am Nachmittag kam Onkel Pelle, ein Clown und das Kasperltheater öffnete seinen  Vorhang. 
Die Kinder waren versorgt.
Die Erwachsenen hatten ihre Ruhe, Erholung und waren satt.
Ein Sonntagnachmittag im bürgerlichen Berlin.

Ihr werdet lachen.
Es war richtig schön.

Ach ja, ich kann mich auch nie an besoffene Menschen oder Streitereien in diesen Lokalen erinnern.
Ob die Menschen in meiner Jugend besser waren?
Besser vielleicht nicht, aber gaaaaanz anders.


Na, aber auf jeden Fall anspruchsloser, genügsamer und zufriedener.
Trotz aller Armut. 

Samstag, 12. Mai 2018

Wieder mal ein Geburtstag


Da habe ich nun heute wieder einmal Geburtstag.
Besser gesagt, gestern war er schon.
Wieder einmal!!!!
Wie oft denn noch?
Langsam reicht es mir.

Früher, ach ja früher......
In über 60 Jahren Ehe, war der Namenstag meiner Frau immer ein kleines Volksfest und ein Jahrmarkt der Eitelkeiten.
Geburtstag wurde in dieser Familie nicht gefeiert. 
Meist wurde der Feiertag dann auf das Wochenende verlegt, weil da alle nicht arbeiten brauchten.
Da wurde gekauft, gebacken, geschmurgelt.
Einen Tag vorher wurde das Wohnzimmer ausgeräumt, dass ja die Verwandtschaft auch genügend Platz zum fressen und saufen hatte.
War der Rettichsalat auch gut gewürzt für den Schwager Arnold?
War das Bier auch die richtige Sorte und vor allem auf genauer Temperatur für den Schwager Hubert? 
Hatten die Schwestern auch genügen Fleisch und vor allem Maggi an ihrem Platz?
Der Termin wurde festgelegt wann ich die einzelnen Herrschaften dann abholen durfte.
Nicht das die selbst kein Auto hatten, nein nein, bloß, dann hätten die ja nichts trinken können.
Schwiegereltern sowieso, da die kein Auto hatten.
Ich spielte immer den Familienchauffeur.
Na ja, es war eben so.
Wie so vieles habe ich das jedes Jahr über mich ergehen lassen und auch immer alles bezahlt.

ICH?
Ich selbst??? 
Ich hatte ja nun auch jedes Jahr Geburtstag.
Ich kann mich noch gut an die ersten Jahre in meiner Ehe erinnern.
Wir wohnten nun in Ofden.
Die Wohnung war endlich gross genug.
MEIN Tag kam.
Ich kaufte Kuchen bei Meisenberg.
Der Kaffee wurde gekocht.
Besorgte das andere was so gefragt war.
Deckte den Tisch und erwartete meine Gäste.
Nun, ich wartete im wahrsten Sinne des Wortes.
Der Nachmittag ging vorüber.
Der Abend auch.
Niemand kam.
Telefon und sowas gab es noch nicht.
Also, alles abgeräumt.
In den nächsten Tagen das wichtigste selber gegessen den Rest weg geworfen.
Tiefkühlschränke waren damals noch unbekannt.
Das war es dann.
Ich hatte begriffen und gelernt.
Heilsam für mein ganzes Leben.

Später hat man dann in der Familie darüber gesprochen.
In den nächsten Jahren kamen dann VORHER meist die Absagen.  
Muttertag, Schichtdienst, Krankheiten oder sonstwas.
Ab und zu war auch mal jemand gekommen, aber das war mehr ein Pflichtbesuch.
War für mich aber auch o.k. so.
Ich hatte längst begriffen.

Doch einmal, einige Jahre später, kam einmal mein Schwager  Hubert mit seiner Frau am Tage meines Geburtstages.
Sie schenkten mir etwas. Ich dachte ich werde verrückt.
Einen Rollfilm mit folgenden Worten:
„Du hast ja einen Fotoapparat. Da kannst Du ihn ja gebrauchen. Wir haben keinen. Am besten ist, du fotografierst uns damit einmal“
Habe ich auch gemacht. 
Den Film zum entwickeln gebracht und Bilder machen lassen.
Diese Kosten habe ich dann getragen.
War doch ein tolles Geburtstagsgeschenk für mich.
Oder sehe ich auch hier wieder etwas völlig falsch?

Nun die Jahre vergingen.
Ich erfüllte meine familäre Pflicht und ich ging brav zu den anderen bei ihren Festlichkeiten.
War für mich auch immer in Ordnung.
Da ich immer einen Hund hatte, musste ich laufend mit dem unterwegs sein.
Habe also nicht viel von deren Feiern mit bekommen.
Was vom Mittagessen oder auch was vom Kuchen bekam ich aufgehoben.
Das habe ich dann in der Küche gegessen.
Beim Schwager Arnold war es eine Ausnahme, da sass ich immer mit am gemeinsamen Tisch.
Wenn ich auch ab und zu von der Tochter gerügt wurde das ich am Tisch etwas zu laut spreche.

All das, verstärkte auch mein Gefühl wie gut es ist, zu DIESER  Familie zu gehören, aufgenommen und akzeptiert worden zu sein.
So wie SIE es sahen.
Mir kommen heute noch die Tränen.

Keine Probleme hatten sie alle mit mir, wenn es darum ging von mir etwas zu bekommen.
Ob Kohlen, IK Waren, Möbel, Elektrogeräte, in den Urlaub zu fahren, ich habe die ganze Familie über Jahrzehnte hinweg damit versorgt.

Vorbei, vorbei.
Gott sei Dank!!!!!!
Auch eine Lehre für mich.
Jedes Martyrium hat mal ein Ende.
Zwangsläufig wollte ich in den folgenden Jahren auch nicht mehr mit spielen. Zog mich immer mehr zurück.
Mein Geburtstag wurde meist zwar zur Kenntnis genommen, das war es aber dann auch schon.
Mancher kam mal, oder auch nicht.
Beide Seiten empfanden das als normal.

Warum ich das so ausführlich heute schreibe?
Heute morgen nun, wir sitzen auf der Terrasse unserer Ferienwohnung, erscheint die ganze Vermieterfamilie mit der Oma, die zwei anderen (fremden) Familien die hier im Hause auch Urlaub machen  und überreichen mir, alle lauthals singend, ein Geschenk.

Ich hoffe es hat niemand gemerkt, dass es mir peinlich war.
Gefreut, innerlich, na klar.
Ich war so etwas nur nicht gewohnt.
Auch in meiner Kindheit war, aber auch bedingt durch die Zeit, mein Geburtstag nie ein Thema.
Kann mich kaum erinnern, je was geschenkt bekommen zu haben.

Ach doch, da war noch was.
Ich erinnere mich da noch an folgendes.
In den ersten 20 Jahren meiner Ehe, schickte mir meine Mutter aus Berlin regelmässig, zu  meinem Geburtstag, ein blaues Grubenhandtuch.
Dabei lag immer ein Zettel.
„Ich hoffe das du das gut gebrauchen kannst. Es entspricht doch deinem jetzigen Leben und Niveau“ (Sinngemäss) 

Kann mir jemand nachempfinden, das ich eigentlich meinen Geburtstag nur mit mir selbst feiere?

P.S.
Schon hier mal DANKE für die zahlreichen Glückwünsche.
Würde ich mit jedem Gratulanten einen Schnaps trinken, wäre ich mit Sicherheit mindestens einen Monat lang besoffen.
Wußte gar nicht das mich so viele kennen.


Freitag, 11. Mai 2018

Weihnachten früher....


In meiner Jugend gab es noch Schnee.
Nicht ein paar Flocken für zwei Stunden, sondern über Wochen. Richtigen Schnee. Und das von November bis März.
Der wurde in der Stadt von den Fahrbahnen geräumt und am Strassenrand aufgetürmt.
Die Berge waren immer über 2 Meter hoch.
Also ideal für uns Kinder da runter zu rutschen.

Anfang Dezember war in der Müllerstrasse immer ein Weihnachtsmarkt aufgebaut. 
Unzählige Stände boten ihre Produkte an. 
Rauschgoldengel, Feigenmännlein, Lebkuchenherzen, kandierte Äpfel, heiße Kastanien, gebrannte Mandeln, Zuckerwatte und natürlich alles was man meinte dazu zu gehören.
Diese Budenstrasse, in einer Länge von ca. 6-800 Meter, stand am Straßenrand. 
Die Häuserfront war das Kaufhaus Hertie
(früher war es Tietz)
Jedes Schaufenster war etwa 3 Meter breit. 
Davon gab es dann ca. 10-12 Stück in der Reihe.
Das dollste nun war.
In allen Schaufenstern war eine Weihnachtsausstellung aufgebaut. Jedes Jahr.
Landschaften, Städte, Figuren und Tiere, alle bewegten sich.
Das war besser als alles andere was es früher da so gab.
Natürlich waren alle Schaufenster von Kindern den ganzen Tag  belagert.
Das war jedes Jahr so und gehörte dazu
Doch  zurück zum Jahr 1937/38 
(ich weiss es nicht mehr genau)

Auf dem Weddingplatz stand früher die Dankeskirche.
Eine richtig große Kirche. 
Vor der Kirche, in einem Dreieck eine Wiese, jetzt mit Schnee bedeckt.
Flankiert von der Müller- Reinickendorfer- und Fennstrasse.

Nun, da gab es auch den Verein: "Die Pankgrafen." 
Ein Verein der bis zum Jahre 1381 zurückreichte.
Die Panke ist ein kleiner Fluss der durch Berlin fließt.
In ihm, in dem Verein,  waren immer nur reiche Leute, die den Heimatgedanken und die Wohltätigkeit auf ihre Fahne geschrieben hatten.
Diese nun beschenkten, jedes Jahr zu Weihnachten,  bedürftige Kinder.
In diesem Jahr war auch ich einmal dran.

Auf diesem Kirchen-Vorplatz hatte man im Schnee Bänke und Tische aufgestellt.
Überall brannten unzählige Kerzen.
An denen nahmen jetzt die Kinder mit ihren Eltern Platz.
Bei den grösseren, wie mich, mussten die Eltern am Strassenrand stehen bleiben.
Immerhin waren es so immer an die 150 Kinder oder mehr.
Oben, auf dem Kirchturm, standen Posaunenbläser und spielten in den Nachthimmel Weihnachtslieder.
Alles sang mit. 
Ein riesengrosser Chor war das.
Wir Kinder hatten an jedem Platz eine grosse Tüte mit Süssigkeiten stehen. Dann gab es noch was warmes zu trinken und Lebkuchen.
Ein (oder mehrere ?) Weihnachtsmänner, begleitet von ihren Gehilfen,  gingen zu jedem Kind, sprachen es mit seinem Namen an und fischten aus dem  grossen Sack ein Geschenk heraus.  
Ich bekam einen grossen Steinbaukasten.
War auch mein Wunsch.
Ich weiss noch, das grösste Wunder für mich, 
als 11 oder 12 jähriger Junge war, woher wusste dieser Fremde wie ich hiess und was ich mir gewünscht hatte?????
Hatte mich noch  lange nachher beschäftigt. (grübel, grübel)

Anschliessend gingen wir nach Hause.
In allen Fenstern sah man die  mit Kerzen geschmückten Weihnachtsbäume hinter den Gardinen.
Ja, damals gab es noch Schnee 
(nicht nur dreckige Matsche für einen Tag) 
richtige Bäume aus Holz 
(nicht zusammenklappbar aus Plastik) 
brennende Kerzen 
(nicht elektrische mit totem Licht) 
Weihnachtsstimmung 
(nicht das absolvieren einer unangenehmen Pflicht was zu verschenken oder geschenkt zu bekommen) 
Es war eben Weihnachten!!! Basta!
Und all das, obwohl wir keiner Religionsgemeinschaft angehörten und auch  Nazis waren. 

Zu Hause wurde dann mal richtig sich satt gegessen.
Die Kerzen am Baum brannten, es war feierlich.
Zu diesen Tagen gab es auch nie Krach in der Familie.
(der kam gewöhnlich später)

Etwas schönes stand mir aber noch bevor.
Anfang Januar wurde der Baum ja wieder abgebaut.
Vorher aber noch geplündert.
Da hingen Plätzchen, Schokokringel und sonstiges dran.
Das Lametta und die Kugeln wurde einzeln abgenommen und bis zum nächsten Jahr sorgfältig verpackt.

Die nächsten Jahre fielen dann etwas anders aus.
Statt Weihnachtsbäumen in den Wohnungen, standen dann die Weihnachtsbäume das ganze Jahr, nachts, am Himmel.
Das waren die Abgrenzungen in denen die feindlichen  Bomberverbände, ohne zu zielen, wahllos ihre tödliche Fracht abluden ehe sie schleunigst wieder gen Engelland davon flogen.

Aber meine Weihnachtsbescherung vor der Dankeskirche habe ich bis heute nie vergessen.
Hat mich irgendwie berührt.



Donnerstag, 10. Mai 2018

Essen muß sein, IMMER.


Was war denn damals noch so wichtig?
Na, das ESSEN.

Da gab es am Weddingplatz z. B. die Metzgerei „Günther“.
Grosser Laden. 
Vor dem Krieg schon etabliert und auch nach dem Krieg wieder neu eröffnet. 
Dann aber in neuen Räumen. 
Das alte Geschäft war zerbombt.
Günther war berühmt für seine Ware, ganz besonders für seine "Kümmelwurst."
Diese wurde, ähnlich wie Wiener oder Bockwurst, heiss verkauft und mit einem Brötchen gegessen.
Einmalig im Geschmack.
Habe ich immer von geträumt. 
Auch viele Jahre später noch, als ich schon im Rheinland wohnte.
Eines Tages, so um das Jahr 1950 rum, die Wurst in der Aachener Gegend war und ist bis heute was fürn Arsch im Geschmack, überkam es mich.
Ich schrieb einen Brief an die Metzgerei "Günther" in Berlin und schilderte ihm, das ich arme Socke nun in der Fremde bin, traurig und verlassen und immer von  seiner Kümmelwurst träumte.
Legte 10,00 Mark in einen Umschlag und bat ihn, mir abzüglich Porto, doch ne Kümmelwurst zu schicken.
Damals ging die Post noch Tage, wenn nicht Wochen lang.
Es dauerte etwas.
Dann aber kam ein Paket. Ein großes !!!!
Ein nettes Anschreiben und Wurst, Wurst in allen Variationen.
Wert mindestens das zwanzigfache.
Wir hatten wochenlang zu essen.
Inhalt des Schreibens: „Wir können einen Berliner mit Heimweh doch nicht im Stich lassen“ 
SO WAREN mal die Berliner!
Man sagte früher immer. „Schnauze mit Herz.“
Heute?
"Die Schnauze haben sie behalten, aber dafür das Herz verloren."

A propos Wurst.
Auch eine alte Berliner Institution.
Der "Wurstmaxe."
Überall auf den Strassen  liefen Männer in weissen Anzügen mit einer weissen Mütze rum.
Vor dem Bauch einen blitzenden Chrombehälter.
Dieser war unterteilt. In einem war Wasser, unten drunter ein Feuer, im anderen Teil Würste und Schrippen.
Da konnte man , im vorbei gehen, mal schnell eine heisse Wurst ordern. Was Mostrich drauf gepappt und der kleine Hunger war gebändigt.
Diese Männer kenne ich vom ersten Tag meines Lebens an.
Geboren aus der Not, Geld zu verdienen.
Den ganzen Trag trugen die nun diese Last, mit einem Lederriemen um den Hals gehängt, mit sich rum.
 So versuchte jeder eigentlich immer über die Runden zu kommen.
Trotzdem kenne ich nicht das Klagen und Jammern wie heute.
Man war damals allgemein fröhlicher.
Auch IM Krieg.

Im übrigen.
Berliner Eigenart war es schon immer, Buletten oder Würstchen mal so nebenbei sich ein zu verleiben.

Buletten, oder Frikadellen bzw. Fleischpflanzerl, sind am besten aus Pferdefleisch. 
Vor allem gut gewürzt. Nicht diese Mehlpampe die nach nichts schmeckt. Auch nicht nach Fleisch.
Und die besten gab es am Stettiner Bahnhof in einer Kneipe.
Vor allem, seeeehr gut gewürzt. 
Darauf habe ich, bis heute, immer grossen Wert gelegt.
Da soll es heute doch sogar Hausfrauen  geben, die kaufen die fertig gemahlenen Abfälle in den Supermärkten und meinen das wären Gewürze.
Vor allem diese Asche der Großmutter die sie dann "Pfeffer" nennen. Leute, es ist der Staub der Jahrhunderte den ihr da kauft.
Pfeffer MUSS frisch gemahlen. er riecht !!!!!!
Die ganz intelligenten kaufen auch die "Fürallesmöglichegedachten" Produkte wie Fondor.
Jetzt, beim schreiben, schüttelt es mich schon wieder wenn ich nur daran denke.
Es sind die gleichen Frauen die auch die in Plastik abgepackten Pakete mit dem Aufdruck „Wurst“ bei den Discountern kaufen und das sogar essen.
Brrrrrr. 

Nun, wenn mein Papa mal die Spendierhosen anhatte, bekam ich eine Mark, schleppte mein Fahrrad die Treppe runter und fuhr Buletten dort in der Kneipe holen.
Strecke? Na vielleicht 3 oder 4 Kilometer. 
1.) waren die es wert, und 
2.) bekam ich vom Wirt, der mich langsam kannte und auch wusste woher ich kam, immer etwas als Wegzehrung.
Entweder eine Bulette, oder ein paar Gurken oder einen Rollmops in die Hand gedrückt.
Diese Dinge standen früher in jeder Kneipe auf der Theke.

Überhaupt, mein ganzes Leben hat sich in der Hauptsache immer ums Essen gedreht.
Ob es daran liegt, das ich in der Jugend viel gehungert habe?
Oder in Gefangenschaft das Fischmehl mit Wasser aus meiner verrosteten Konservendose auch nicht als besonders gut empfand? 
Ich glaube mein Geld in meinem Leben gut angelegt zu haben.
Ich habe immer gern und gut gegessen.
Nie was exquisites oder exotisches.
Nie gesponnen wie manche meiner Bekannten.
Sondern immer bodenständig.
Auch heute ist ein gut abgeschmeckter Eintopf, natürlich mit was drin !!!! für mich das höchste was es gibt.


Doch wir sind ja in der Vergangenheit hier.